Unter die RWF-Typologie „Gewerbebau“ fallen im Abgleich mit dem Objektschlüsselkatalog Berlin (2005) [1] im automatisierten Liegenschaftskataster z.B. Gebäude für Gewerbe und Industrie (allgemein), Gebäude für Handel und Dienstleistung, Gebäude für Versorgung (allgemein) oder Einkaufszentren, Markthallen, Ladengebäude.

Für das Fallbeispiel Gewerbebau wurde der Büro- und Ausbildungsstandort der Berliner Stadtreinigung (BSR)[2] im Untersuchungsgebiet Insellage ausgewählt. Bei den Gewerbebauten am Mierendorffplatz 20 handelt es sich um das zentrale Ausbildungszentrum der Berliner Stadtreinigung (BSR).[3] Die BSR als größtes kommunales deutsches Entsorgungsunternehmen für die Abfallsammlung- und -verwertung führt an diesem Standort pro Jahr ca. 3000 Bewerbungsgespräche durch und bildet zudem am Standort Mierendorff-Insel permanent 50-80 Auszubildende (Mechatroniker, Industriemechaniker, Berufskraftfahrer, Kfz-Mechatroniker) aus.[4]

Der Gebäudekomplex setzt sich aus dem dreigeschossigen rechteckigen Bürogebäude als Kopfbau und den östlich davon gelegenen, eingeschossigen drei aneinandergebauten Werkhallen zusammen (siehe Lageplan unter Baukonstruktive Einschätzung). Im Bürogebäude mit einer Dachfläche von 450m2 ca. befinden sich im Wesentlichen die Sozialräume, während in den Werkhallen mit einer Gesamtdachfläche von ca. 1700m2 die Ausbildungsräume untergebracht sind.

Für eine ROOF WATER-FARM stünden hier eine Fläche auf dem Bürogebäude und eine besonders große Fläche auf den Werkhallen zur Verfügung, was eine hohe Wirtschaftlichkeit erwarten lässt. Zudem sind die Werkhallen eingeschossig und daher gut erschließbar. Beide Flächen sind im Solaratlas von Berlin[5] für die Auslegung von Photovoltaik als sehr gut geeignet gekennzeichnet, was auf eine generelle Machbarkeit schließen lässt.

Im Fokus der RWF-Anwendungsbetrachtung steht vor allem die Nutzung von Regenwasser und Schwarzwasser, da diese in Bürogebäuden in relevanter Menge anfallen. Daher kommen vor allem die RWF-Varianten III und IV mit optionaler Schwarzwasser-zu-Flüssigdünger-Aufbereitung in Frage. Für den Ausbildungsstandort der Berliner Stadtreinigung (BSR)[4] – bekannt als innovationsfreundliches Unternehmen – wird deshalb erstmals in weiterer stadträumlicher Übertragbarkeit des flexiblen RWF-Konzeptes die urbane Flüssigdüngerproduktion als Form des Urban Water-Minings verknüpft mit dem Urban Water-Farming vorgeschlagen[6]. Die Inhalte und Ergebnisse sind im RWF-Betreibermodell beschrieben sowie als RWF-Gebäudepass Gewerbebau zusammengefasst.