|Forschung

ROOF WATER-FARM zeigt Wege zu innovativer Siedlungswasserwirtschaft und urbaner Nahrungsmittelproduktion. Potenziale und Risiken eines dafür notwendigen sektorübergreifenden Infrastrukturumbaus werden erforscht und kommuniziert.

Im Forschungsverbund werden Möglichkeiten einer gebäudeintegrierten Wasseraufbereitung zur Bewässerung und Düngung von Dachgewächshäusern und zur Betriebswassernutzung erarbeitet. Technologien zur Wasseraufbereitung und Kultivierung von Pflanzen und Fischen werden in einer Demonstrationsanlage und Teststrecke in Berlin-Kreuzberg erprobt. Die Forschung forciert eine hygienisch sichere Verwendung von Regen-, Grau- und Schwarzwasser als Managementstrategie der Siedlungswasserwirtschaft und Potenzial der urbanen Nahrungsmittelproduktion.

Auf Basis erster Forschungsergebnisse  wird die stadträumliche Übertragbarkeit der ROOF WATER-FARM Konzepte untersucht. Bauliche und verfahrenstechnische Varianten der Pflanzen- und Fischproduktion in Gewächshäusern werden auf Gebäude- und Stadtraumebene projiziert und analysiert.

Im Laufe des Projektes entstehen Kommunikations- und Trainingsmedien für gebäudeintegrierte Wasseraufbereitung und urbane Nahrungsmittelproduktion.

|Förderung 

ROOF WATER-FARM wird im Rahmen der Fördermaßnahme „Intelligente und multifunktionale Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (INIS)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

|Fokus

ROOF WATER-FARM erforscht TECHNOLOGIE in der Demonstrationsanlage und Teststrecke im Block 6, einem IBA Wohnbau-Projekt von 1987 mit innovativem Wasserkonzept in Berlin-Kreuzberg (hier: Standort), durch:

  • Entwicklung von Anbautechnologien wasserbasierter Pflanzen- und Fischproduktion (Hydroponik, Aquaponik) in Zusammenhang mit dezentraler Wasseraufbereitungstechnologie von Grau-, Schwarz- und Regenwasser
  • Prüfung der hygienischen Sicherheit des Anbaus und der Unbedenklichkeit relevanter Mikroschadstoffe (ausgewählte Pharmazeutika)
  • Prüfung der Qualität der Produkte im Abgleich mit relevanten nationalen und europäischen Vorgaben und
  • Gewinnung von NPK-Düngemittellösung für hydroponischen Anbau.

ROOF WATER-FARM erforscht Diffusionsmöglichkeiten der Technologie im STADTRAUM durch:

  • Entwicklung und Kommunikation von technischen ROOF WATER-FARM Konzepten als städtebauliche Designstudien (Betrachtungsebene Gebäude)
  • Darstellung von Ökobilanzierungen
  • beispielhafte Identifizierung der siedlungswasserwirtschaftlichen, sozio-kulturellen, und stadtgestalterischen Auswirkungen anhand ausgewählter Siedlungsräume in Berlin (Betrachtungsebene Stadt, Quartier)
  • Potenzial- und Risikobetrachtung für die Integration und Diffusion des sektor-übergreifenden siedlungswasserwirtschaftlichen Konzeptes (Integrierte Analyse)
  • Analyse von Treibern und Widerständen in der Innovationsarena und Entwicklung von strategischen Ansätzen für die Diffusion der Roof Water-Farm Konzepte
  • Ableitung von Handlungsempfehlungen für verschiedene Akteure sowie
  • Entwicklung von Kommunikations– und Trainingsmedien für dezentrale Abwasseraufbereitung und urbane Nahrungsmittelproduktion.

|Praxis und Ausblick

|ROOF WATER-FARM beweist: Dezentrale Abwasseraufbereitungstechnologie mit Nahrungsmittelproduktion zu verknüpfen ist technisch möglich, hygienisch sicher und von hohem öffentlichen Interesse.

|ROOF WATER-FARM ist ein wertvoller Beitrag zu multifunktionaler, nachhaltiger Infrastrukturentwicklung und Resilienz.

|Übertragbarkeitsstudien und öffentliches Interesse zeigen die grundsätzliche Machbarkeit und Akzeptanz des sektorübergreifenden Konzeptes.

|Mit der breiten Umsetzung des Konzeptes können Häuser und Quartiere in Zukunft statt Abwasser hochwertiges Betriebswasser und frische Nahrungsmittel produzieren.

|Für die breite Umsetzung des Ansatzes müssen noch Geschäftsmodelle, Anreizsysteme und Referenzprojekte geschaffen werden.

Planer und Architekten wie auch Stadtverwaltungen können zum Vorantreiben von ROOF WATER-FARMEN beitragen: Sie können erstens offensiv informieren, entsprechende Anfragen und Initiativen unterstützen und solche Anlagen als „städtebaulich vertretbare“ Ausnahmen nach dem Baugesetzbuch genehmigen – das klingt nach wenig, ist aber viel. Die Wissenschaft kann hier durch weitere Forschungen wichtige Grundlagen schaffen.

Gemeinsam mit Abwasserentsorgern kann darauf hingearbeitet werden, dass es für ROOF WATER-FARMEN klare Regelungen zum Anschluss und Benutzungszwang der Wasserinfrastrukturen gibt, und dass dezentrale Konzepte als funktionale Einheiten – insbesondere bei Neubauvorhaben – in die Siedlungsentwässerung integriert werden.

Tatsache ist auch, das sich einzelne Initiativen und Macher im Sinne der SELF-MADE CITY bereits auf dem Weg machen – gerade in Berlin finden sich viele Initiativen. Es ist nicht der Diskurs um Abwasser, sondern die Verbindung zur Urbanen Landwirtschaft, die heute Menschen bewegt und Stadt verändert. Das kann in Zukunft anders sein, aber es sind vor allem bottom-up Initiativen, die heute aktiv Ideen und Projekte generieren und umsetzen und Betreibermodelle experimentell erproben. Vielleicht wird es daher in naher Zukunft einen „Präzedenzfall“ im Feld der Genehmigungsabläufe zwischen Abwasseraufbereitung, Stadtentwicklung und Lebensmittelrecht geben. „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ (Franz Kafka)

Video rechts > RWF-Pressespiegel: Imagefilm zur Fördermaßnahme,,INIS” im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Autor: Karsten Knafla, gezeigt auf der Messe Wasser Berlin vom 24.-27.03.2015