|Flüssigdünger aus Schwarzwasser für RWF-Testmodul Hydroponik

Die Schwarzwasseraufbereitungsanlage (SWAA) wurde in Berlin-Kreuzberg auf dem Grundstück vom sog. Block 6 auf der Bernburger Strasse aufgebaut. Block 6 ist ein Wohnbau-Projekt mit innovativem Wasserkonzept, das im Rahmen der internationalen Bauausstellung (IBA) 1987 in Berlin realisiert wurde, und ist heute eine Wohneinheit für rund 250 Menschen. Die SWAA behandelt im gegenwärtigen Pilotbetrieb nicht das gesamte in Block 6 anfallende Schwarzwasser sondern lediglich einen Teilstrom. Im Bypass zur Hauptleitung werden pro Tag maximal 2 000 Liter Schwarzwasser für die SWAA abgezweigt, was etwa einem Fünftel der gesamten in Block 6 anfallenden Menge entspricht, und täglich zu maximal 1 500 Litern Flüssigdünger aufbereitet. Der produzierte Flüssigdünger wird in einem Tank gespeichert und für die Hydroponik im benachbarten, von der Firma Terra Urbana betriebenen Gewächshaus verwendet. Mit dem produzierten Dünger wurden Salate und Früchte gedüngt. Die Abbildungen rechts zeigen einen Vergleich zwischen Kopfsalaten, die parallel mit konventionellem Flüssigdünger und mit Flüssigdünger aus Schwarzwasser versorgt wurden.

Als Qualitätskontrolle werden in regelmäßigen Abständen Flüssigdünger-Proben entnommen. Die Tabelle rechts zeigt die Ergebnisse verschiedener Flüssigdünger-Untersuchungen. Dargestellt sind Minimal- und Maximalwerte an Nährstoffen, Schwermetallen, Hygieneparametern und Spurenstoffen.

Mit der SWAA ist es gelungen, aus Schwarzwasser einen Flüssigdünger herzustellen, der hinsichtlich des Nährstoffgehalts mit konventionellen Düngemitteln vergleichbar ist. Die Gehalte an Spurenstoffen und Schwermetallen unterliegen geringen Schwankungen und bewegen sich auf einem unkritischen Niveau. Besonderes Augenmerk galt den mikrobiologischen Parametern, da die Anwendung des Flüssigdüngers unmittelbar mit der Produktion von Lebensmitteln verknüpft ist. Die im Flüssigdünger ermittelten Konzentrationen für die Hygieneparameter überschreiten zwar die Werte der Trinkwasserverordnung, entsprechen aber denen herkömmlicher Flüssigdünger und sind definitiv nicht gesundheitsschädlich. Mittelfristiges Ziel ist es, den gesamten Schwarzwasserstrom aus Block 6 zu behandeln und so von der Pilotphase in die Praxisphase zu gelangen. Zusammen mit der Grauwassernutzung offeriert eine Schwarzwasseraufbereitung einen nahezu vollständigen Wasser-Kreislaufschluss mit einem Mehrwert durch den Gewinn von Lebensmitteln aus dem hydroponischen Anbau. Die Vision wäre eine flächendeckende Umsetzung des ROOF WATER-FARM-Konzepts in kommunaler Umgebung.