Für mögliche RWF-Anwendungen und Betreibermodelle ist die Gebäudetypologie Hotel aus drei Blickwinkeln interessant:

  • Rückgewinnung von Grauwasser für Wasch-, Spül- und Reinigungszwecke verknüpft mit Wärmerückgewinnung für Heizzwecke (siehe Betreibermodellbeispiel 1),
  • in Verbindung mit Event-Gastronomie und hoteleigener Nahrungsmittelproduktion (siehe Betreibermodellbeispiel 2) und
  • in Kombination mit dem oftmals bestehenden Anschluss an ein Parkhaus, wie eine Studienarbeit für das Berliner Innenstadtgebiet “City-West” zeigt. [1] Während Hotelgäste überdurchschnittlich viel Abwasser produzieren, sind wenig ausgelastete Parkhäuser als bisher unbenutzter Strassenraums und potenzielle RWF-Dach- und Stellfläche interessant. Aufgrund ihrer guten baulichen Eignung und bestehenden logistischen Erschließung bietet die Typologie “Hotel-Parkhaus” einen geeigneten Ansatzpunkt für die Umsetzung der RWF-Grauwasservarianten, vor allem die RWF-Aquaponik (siehe Betreibermodellbeispiel 3).

Im Folgenden werden die drei kommerziellen Betreibermodellbeispiele näher beschrieben.

|Betreibermodellbeispiel 1 (kommerziell): Realisierung Grauwasserrecycling/ Arabella Sheraton-Hotel, Offenbach/Main

Das erste Hotel – ein 400-Betten, 4-Sterne-Hotel – wurde bereits 1995 mit einer Grauwasserrecyclinganlage ausgestattet und ist nach über 20 Jahren immer noch in Betrieb.[2] Diese spart jährlich Kosten für 15.000 bis 20.000 m3  Trinkwasser und Abwasser ein. [3] “Der Wartungs- und Kontrollaufwand liegt bei etwa 1h/Woche und der Gesamtenergiebedarf bei 1,5 kWh pro Kubikmeter verbrauchtes Betriebswasser.” (ebd., S. 20)

Hotels, insbesondere die der höheren Kategorie, zeichnen sich i.d.R. durch einen Wasserverbrauch aus, der meist deutlich über den durchschnittlichen Mengen in Privathaushalten liegt. Die Betriebswassermengen in Hotels würden oftmals ausreichen, um deutlich mehr als nur die Toilettenspülungen daraus zu bedienen.

|Betreibermodellbeispiel 2 (kommerziell): “RWF-Hotel-Restaurant” als Erlebniszentrum

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Generell bietet sich bei der Typologie Hotelbau die Kombination der RWF-Module zur gebäudeintegrierten Wasseraufbereitung und Lebensmittelproduktion in Verbindung mit einem hoteleigenen Restaurant an. Neben der wasserseits sinnvollen Betriebswassernutzung zur Toilettenspülung und Hotelreinigung besteht zugleich die Möglichkeit der Direktvermarktung der Farmprodukte. Die RWF-Produkte werden so frisch produziert und auch direkt konsumiert. Zugleich können Wassertechnik und Gewächshausbetrieb in Szene gesetzt werden, um die gebäudeintegrierten Kreisläufe sicht-, anfass- und somit erlebbar zu machen. Das RWF-Hotel wird zum RWF-Erlebniszentrum (siehe auch Netzwerkplan Innenstadt). Das am Potsdamer Platz im Untersuchungsgebiet Innenstadt gelegene 4-Sterne Hotel SCANDIC mit ca. 565 Zimmern, Restaurant, Bars, Spa- und Fitnessbereichen sowie Konferenzräumen. Imageprägend ist die starke Positionierung im Bereich der Nachhaltigkeit, für die das Hotel mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde. [4] Mit der Integration des RWF-Konzeptes lassen sich Funktionalität und Sichtbarmachung blau-grüner Infrastruktur verbinden. Neben einem RWF-Dachgewächshaus können auch Aquarien und hydroponische Indoor-Farmmodule in der Lobby, dem Restaurant oder den Konferenzräumen integriert werden und einen neuen Aufenthalts- und Unterhaltungswert bieten. [4]

Als exklusive Restaurant-Produktpalette wären für die RWF-Aquaponik geeignet:

  • Fisch (Afrikanischer und Europäischer Wels)
  • Mini-Gemüse (Aubergine, Paprika, Zucchini etc.)
  • Essbare Blüten
  • Küchen- und Cocktail-Kräuter

Für einen energieoptimierten saisonal angepassten Anbau, kämen als Sommer- und Winterpalette folgende Produkte für das hoteleigene Restaurant in Frage:

Produktpalette Sommer

  • Fisch: Afrikanischer Wels (Clarias gariepinus) – Warmwasserfisch, schnelles Wachstum, hohe Besatzdichten, guter Futterverwerter
  • Pflanzen: Mini-Gemüse, z.B. Mini-Zucchini „Piccolo F1“ – hochpreisiges Produkt, gutes Wachstum in der Sommersaison

Produktpalette Winter

  • Fisch: Europäischer Wels oder Flusswels (Silurus glanis) – robust, Kaltwasserfisch, guter Futterverwerter, omnivor
  • Pflanzen: Kresse, z.B. „Sakura Mix“ – hochpreisiges Produkt, Wachstum auch bei kalten Wassertemperaturen [3]

Auch für das touristisch attraktive nhow-Hotel im Untersuchungsgebiet Transformationsraum, an der Berliner Spree gelegen, wurden Nutzungsstrategien zur Verknüpfung eines RWF-Hydroponikfarm als Fassadensystem bzw. Vertikalfarm-System mit der Direktverarbeitung in der hoteleigenenen Gourmetküche entworfen. [5] Am Waterfront-Standort des nhow-Hotels böte sich eine Window-Farm-Hydroponik an den großen, nach Süden ausgerichteten Fensterflächen des Erdgeschosses an. Die in den vertikalen Fenstergärten über sog. growing towers angebauten Gemüse- und Kräutersorten können ganzjährig angebaut werden. Das mögliche Abernten im Restaurant- und Barbereich würde zudem den Prosuming-Ansatz von Produktion und Konsumption erlebbar machen. [5] [6] Die Verarbeitung der hoteleigenen Anbauprodukte in der deutsch-französischen Küche käme der Imagebildung und Positionierung im Bereich nachhaltiger Hotellerie und Corporate Social Responsibility (CSR) zugute.[7] [8]

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|Betreibermodellbeispiel 3 (kommerziell): “Hotel-Parkhaus-Symbiose”

Im Berliner Innenstadt-Kontext kommt die Typologie “Hotel-Parkhaus” mehrere Dutzend mal vor. Im Fall der Installation einer RWF-Aquaponik in einem bisher wenig ausgelasteten Parkhaus, können durch Wärme- und Betriebswasserrückgewinnung aus Grauwasser 120 Hotelzimmer den Wasser- und Heizungsbedarf einer 24 Kubikmeter-Aquakulturanlage decken. In weiterer überschlägiger Berechnung kann das nährstoffreiche Fischproduktionswasser mind. 300-400 m2 Hydroponik-Farmfläche mit Salat- und Gemüsepflanzen düngen und bewässern. [1]

Neben dem Energierecycling können durch Einsparungen in der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung erhebliche Kostenvorteile entstehen.

|Zusammenfassung

Zusammen mit weiteren RWF-Gewächshausprojekten auf Bildungsbauten (siehe Betreibermodell BildungsbauGebäudepass Bildungsbau), Wohnungsbauten (siehe Betreibermodell WohnungsbauGebäudepass Wohnungsbau) oder Gewerbebauten (siehe Betreibermodell GewerbebauGebäudepass Gewerbebau) und der RWF-Netzwerkbildung im Quartier (siehe u.a. Netzwerkplan Innenstadt, Netzwerkplan Transformationsraum/Spree) können mögliche RWF-Hotelbauprojekte ein Katalysator für das Etablieren eines oder mehrerer RWF-Kompetenzzentren in Quartier und Stadt sein.

Eine beispielhafte Kosten-Nutzen-Rechnung für eine 1000m2 RWF-Dachfarm im kommerziellen Betrieb ist in der Toolbox zu finden (siehe z.B. Wirtschaftlichkeit AquaponikWirtschaftlichkeit Hydroponik).